Die Zukunft für die Generation Corona

Eine düstere Bildungsprognose durch Fiktion – coronabedingter Klassismus in der Bildung


Gesamtgesellschaftlich wird laut unseren Umfragen ein negativer Einfluss auf die Bildung erwartet. Ob das Niveau tatsächlich absinkt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klären. Dadurch aber, dass generationenübergreifend gedacht wird, dass sich das Bildungsniveau verschlechtern wird, wird es sich tatsächlich verschlechtern. Grund hierfür ist über die Selffulfilling-Prophecy, die dazu führt, dass die Menschen ihr tatsächliches Verhalten an einer zum jetzigen Zeitpunkt noch fiktiven Prognose ausrichten, in diesem Fall an der Vorstellung, dass das Bildungsniveau sinkt. Sie verhalten sich also in einer Weise, dass das Bildungsniveau von selbst nach unten geht. Dies geschieht hier in zweierlei Hinsicht: Erstens gehen ältere Personen, die zum Zeitpunkt der Corona-Pandemie bereits aus dem Bildungssystem ausgeschieden sind, davon aus, dass die neu hinzukommende „Generation Corona“ eine schlechte Bildung aufweist. Fast jeder Zweite Befragte sieht einen Nachteil für Schul- und Studienabgänger*innen. Sie geben ihnen möglicherweise einfachere Aufgaben, wodurch die Bildung der Jüngeren gar nicht sichtbar werden kann. Bei der Generation der Babyboomer, die gegenwärtig noch den Arbeitsmarkt dominieren, gehen 50% davon aus, dass die jungen Menschen einen Nachteil im Berufsleben haben werden. Hinzu kommt zweitens, dass jüngere Personen, die um die ihnen nachgesagte schlechtere Bildung wissen, tatsächlich schlechtere Leistungen im Beruf aufweisen werden. Von den Mitgliedern der Generation Z denken sogar 52,87%, dass sie einen Nachteil im Berufsleben haben werden. Damit passen sich die Fremd- und die Selbstbeschreibung und schließlich dann die tatsächlichen Leistungen der Generation Corona an das Label eines absinkenden Bildungsniveaus an. Es sinkt.


Dieser Nachteil wird laut den Befragten noch mehrere Jahre andauern und nicht so leicht aufzuholen sein. Mitglieder*innen der Babyboomer-Generation (56 bis 70 Jahre) gehen von einer Dauer des Nachteils von durchschnittlich 11,6 Jahren aus, Mitglieder*innen der Generation Z (16 bis 26 Jahre) von einem Nachteil von im Schnitt 6,5 Jahren aus.


Das eine düstere Bildungsprognose nicht nur medial inszeniert, sondern durchaus von der Lebenswelt der Menschen herrührt, zeigt der derzeitige Unmut bezüglich des Homeschoolings bzw. Distanzunterrichts. Auf die Frage, „wenn Sie aktuell Kinder im Homeschooling betreuen, wie finden Sie die Handhabung?“ antworten zudem 26% der Eltern aus der Generation Z, 34% der Eltern aus der Generation Y und 47% der Eltern der Generation X „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Damit ist die Ausgangsbasis für die Selffulfilling-Prophecy schon geschaffen. Die Politik könnte hier gegensteuern, indem das Homeschooling besser gestaltet wird: Es bleibt zu hoffen, dass der im Frühjahr 2019 beschlossene Digitalpakt Schule, der fünf Milliarden Euro in die Digitalisierung von Schulen spülen soll, fruchtet. Derzeit schaut es aber nicht so aus, denn die Antragsverfahren ziehen sich in die Länge, sodass das Geld hoffentlich nicht zu spät ankommt, wenn der Abstand zum ursprünglichen Bildungsniveau schon unaufholbar geworden ist. Das im Juni 2020 dann daran anschließende „Sofortausstattungsprogramm“ soll diese Digitalisierungshilfe in einer unbürokratischen Form liefern.


Der Begriff „Klassimus“ bezeichnet Vorurteile aufgrund der sozialen Position oder Herkunft. Personen, für die solche Zuschreibungen gemacht werden, erhalten weniger gesellschaftliche Anerkennung. Sie gehören zu einer niedrigeren „Klasse“ in der Gesellschaft. Für die aktuelle Corona-Krise mit ihren Folgen könnte jedoch die Zugehörigkeit zu einer Generation zu einem entscheidenden Nachteil im zukünftigen Leben werden. Unabhängig davon, ob das absinkende Bildungsniveau für die Mitglieder der Generation Corona tatsächlich gilt oder nicht, die Zuschreibungen, die von außen an sie herangetragen werden, führen dazu, dass sie anders behandelt werden als nicht corona-gefärbte Generationen. Der Ruf eilt somit voraus, der sogenannte „Halo-Effekt“ tritt zu Tage, also wie das Echo, dass wir bereits hören können, ohne die Person zu sehen. Und diese Ungleichbehandlung kann sich schließlich auch im tatsächlichen Bildungsniveau manifestieren – eine Klasse wandelt sich somit von und gerade durch die Fiktion zur Wirklichkeit.

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