Die Generationenethik

 

„You say you love your children above all else,
and yet you are stealing their future in front of their very eyes. “

Greta Thunberg auf der UN-Klimakonferenz in Polen 2018

Die schwedische Klimaaktivistin kämpft für das Wohl zukünftiger Generationen. Ihre zentrale Botschaft: Heute müssen die Weichen für morgen gestellt werden. Bei den regelmäßigen Studien, die das Institut für Generationenforschung durchführt, bestätigt sich immer wieder, dass es jungen Menschen ein großes Anliegen ist, sich bereits heute mit Zukunftsthemen wie der Nachhaltigkeit, der Staatsverschuldung oder dem Rentensystem auseinanderzusetzen. Das Institut für Generationenforschung beleuchtet diese Situationen mit der „Generationenbrille“: Wie lassen sich die Forderungen heutiger Generationen für die Zukunft begründen? Welche Generation schuldet wem und wann etwas? Was bedeutet es, Gerechtigkeit zwischen den Generationen herzustellen?

Das Themenfeld der Generationengerechtigkeit beschäftigt sich in erster Linie mit der Frage, wie eine gerechte Verteilung von materiellen Ressourcen, Lebenschancen und -qualitäten unter den Generationen möglich oder überhaupt erforderlich ist. Die hier thematisierte Gerechtigkeit wird intertemporale Generationengerechtigkeit genannt und meint, dass jede Generation so verantwortungsvoll leben soll, dass sie nachfolgenden Generationen keine unzumutbaren Lasten wie z.B. in Form von Schulden oder Umweltschäden aufbürdet. Gegenüberstehen sich also die heute lebenden und zukünftig lebenden Menschen.

In den Diskussionen um Generationengerechtigkeit wird dabei nicht nur diskutiert, ob die heutige Generation der zukünftigen Generation überhaupt etwas schuldig ist, sondern auch wie viel sie ihr schuldig ist. Geht man von der Theorie aus, dass die heute Lebenden den zukünftigen Menschen so viel schuldig sind, dass Minimalbedingungen gegeben sind, um ein gutes Leben zu führen, stellt sich wiederum die Frage, was ein gutes Leben ist bzw. was die Bedürfnisse der zukünftigen Generationen sein werden. Was brauchen zukünftige Generationen, um ein gutes Leben führen zu können, welche und vor allem wie viele von den natürlichen Ressourcen werden zukünftige Generationen benötigen, um gut leben zu können? Wie viele Schulden und Lasten können wir den zukünftigen Menschen aufbürden? Und an wie viele zukünftige Menschen müssen wir im Kontext der Generationengerechtigkeit überhaupt denken?

Aus diesen Fragen wird ersichtlich, dass die Generationengerechtigkeit zwar das Ziel verfolgt, zukünftigen Generationen Ansprüche auf ein gutes Leben zu geben, jedoch die genaue Vorstellung, wie diese Gerechtigkeit im Einzelnen aussehen soll, nicht nur unklar, sondern stark umstritten ist.

Ein zusätzlich sehr wichtiger Punkt, der bei der Debatte um die Generationengerechtigkeit mitberücksichtigt werden muss, ist der, dass wir, die heute Lebenden, nicht nur das Ergebnis der Vergangenheit und Grundlage der Zukunft sind, sondern zudem auch ein Teil einer Weltgemeinschaft und eines Ökosystems sind. Im Zusammenhang mit der Generationengerechtigkeit muss also auch die globale Gerechtigkeit betont werden, denn ohne eine globale Gerechtigkeit erscheint eine Forderung nach Gerechtigkeit für künftige Generationen unglaubwürdig.

Die Forscher:innen des Instituts für Generationenforschung setzen sich derzeit in einem interdisziplinär angelegten Forschungsprojekt aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen mit der Generationenethik und der Generationengerechtigkeit auseinander. Philosophisch zeittheoretische Fragestellungen spielen dabei in gleicher Weise eine Rolle wie wirtschaftstheoretische Überlegungen zur zukünftigen Umsetzung einer generationengerechten Verteilung materieller Ressourcen.

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Forschungskooperationen des

Instituts für Generationenforschung

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