New Work: Home Office ja - aber bitte mit Digital Detox Zonen

»What surprises me lately is how much I miss all the annoying people at work.«

Mitte März 2020 arbeiteten 45% der Deutschen im Home Office (Bitkom, 2020). Die Corona-Pandemie hat fast jede/n Zweite/n von uns nicht nur für viele Freizeitaktivitäten, sondern auch für die Arbeitszeit, quasi „Hausarrest“ erteilt. Allerdings kann man nicht wirklich von Arrest sprechen, denn viele Arbeitnehmer/innen haben die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, dankend angenommen: Das Institut für Generationenforschung hat umfangreiche Corona-Studien 2020 (generationthinking, 2020) durchgeführt und herausgefunden, dass Arbeitnehmer/innen mit Kindern zuhause im Home Office nicht viel schlechter zurecht-kommen, als jene ohne Kinder. Allerdings ist von zu Hause aus arbeiten bei Weitem kein Selbstläufer: Das größte Hindernis für die Befragten sind Probleme mit der Software und Hardware. Und tatsächlich gefolgt von Sehnsucht: Nämlich nach informellem Austausch mit den Kollegen/innen.

Was wir derzeit erleben, kann mit dem Begriff „New Work“ umschrieben werden. Das vom österreichisch-amerikanischen Soziologen Frithjof Bergmann in den 1970er-Jahren entwickelte Konzept, bezeichnet den Wandel der Arbeitswelt, hin zu modernen und flexiblen Arbeitsplatzmodellen. Diese Anpassungsfähigkeit der Arbeitswelt ist derzeit auch dringend nötig: Nicht nur die Corona-Pandemie, sondern auch der demographische Wandel, der zukünftig weniger Bewerber auf den Arbeitsmarkt befördern wird, zeigen uns, dass Arbeitgeber/innen das Konzept New Work überdenken müssen, um für zukünftige Bewerber/innen weiterhin attraktiv zu sein. Diese Anpassung in Form von New Work-Arbeitsplätzen könnte eine Lösung sein, dem demografischen Wandel entgegenzuwirken.


Wir befinden uns glücklicherweise in einer komfortablen Situation: Die Digitalisierung kann uns helfen, Distanzen zu überwinden und Menschen unabhängig ihres Aufenthaltsortes miteinander zu verknüpfen. Gewusst wie, also! Denn durch den derzeitigen Wandel der Arbeitswelt sind neue Freiräume entstanden, sowohl in physischer, als auch in sozialer Natur. Und diese schreien geradezu danach, strukturiert zu werden, wenn man auf die Probleme der Menschen im Home-Office blickt.

Das Konzept New Work hat hierfür einige Lösungen in petto: Der alte Arbeitsplatz wird frei und steht neuen Nutzungsmöglichkeiten offen, beispielsweise für das Social Office, einem Raum für gemeinsame kreative Tätigkeiten und Networking. In der digitalen Welt bietet sich die Social Coffee Station an, eine virtuelle Plattform, die den Mitarbeitenden für informelle Gespräche zur Verfügung steht. Und da wäre natürlich noch das neue Home Office, dem durch ein digitales und soziales Starterpaket ins Leben geholfen werden muss. Hier hat der Arbeitgeber Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen des Branded Home Office, wenn beispielsweise das Corporate Design des Unternehmens als virtueller Hintergrund bei Videokonferenzen integriert wird. Denn die Daily Hassles, ganz alltägliche Störungen durch die Kinder oder den Paketdienst, müssen auch dort bewältigt werden. Sie werden Bestandteil des neuen Arbeitens sein. Helfen kann hierbei die Digital Detox Zone, räumliche oder zeitliche Slots, in denen die Arbeitnehmer/innen nicht erreichbar ist, um die Zeit für die Bewältigung der daily hassles oder für ungestörtes Arbeiten zu haben. Ganz egal für welches Konzept man sich entscheidet, es werden in Zukunft neue Fragen be-antwortet werden müssen: Inwieweit darf der Arbeitgeber in den individuellen Arbeitsplatz eingreifen? Muss der Arbeitgeber den Arbeitsplatz einrichten? Und wo hat der Arbeitgeber Freiheitsspielräume?

Denn so zukunftsträchtig das Konzept New Work auch klingen mag, es dürfen nicht alle Mitarbeiter/innen über einen Kamm geschert werden. Denn es wird immer auch Leute geben, deren private Situation kein Arbeiten im Home Office zulässt – oder die schlichtweg den physischen Arbeitsplatz bevorzugen. Das zwar langweilig klingende Konzept „Alternierende Telearbeit“, beschreibt allerdings ein Modell, dass flexibel zwischen dem Arbeitsplatz und dem Home Office vermitteln soll und an individuelle Bedürfnisse der Mitarbeitenden adaptiert werden kann.

Quellen: 1. Bitkom (2020): Homeoffice in Zeiten der Corona-Pandemie. URL: https://www.bitkom.org/Themen/Corona/Homeoffice-in-Zeiten-der-Corona-Pandemie, aufgerufen am 27.11.2020.

2. www.generation-thinking.de

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